Kinder- und Jugendmedizin

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Die Vorsorgeuntersuchungen für Kinder

 

Bei den Vorsorgeuntersuchungen für Kinder werden das Gedeihen, die regelhafte körperliche und geistige Entwicklung, die körperliche Unversehrtheit sowie Anhaltspunkte für Organfehlfunktionen untersucht. Die Vorsorgeuntersuchungen werden von den Krankenkassen finanziert, sofern sie in den dafür vorgesehenen Zeiträumen stattfinden. Die Teilnahme ist seit der Einführung des Kindergesundheitsschutzgesetzes am 1.1.2008 für die Eltern verpflichtend.

Elternbrief mit Merkblatt 0807

 

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U1 -  Neugeborenenuntersuchung
U2 - (3. - 7. Tag)
U3 - (4. - 5. Woche)
U4 - (3. - 4. Monat)
U5 - (6. - 7. Monat)
U6 - (10. - 12. Monat)
U7 - (21. - 24. Monat)
U7a -   (34. - 36. Monat)
U8 - (46. - 48. Monat)
U9 - (60. - 64. Monat)
U10 - (7 - 8 Jahre)
U11 - (9 - 10 Jahre)
J1 - (12 - 14 Jahre)
J2 - (16 - 17 Jahre)
   
Vitamin D - und Fluoridprophylaxe

 

 

 

 

 

U1 - Neugeborenenuntersuchung

Diese wird direkt nach der Geburt durch einen Kinderarzt, Geburtshelfer oder eine Hebamme durchgeführt.

Es wird die Anpassung des Neugeborenen an das Leben außerhalb des Mutterleibs überprüft und schwere

Fehlbildungen sowie lebensgefährliche Krankheiten ausgeschlossen. Zur Vorbeugung einer Blutung erhält

das Neugeborene Vitamin K.

 

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U2 - Vorsorgeuntersuchung

(zwischen 3. und 7. Lebenstag)

Bei dieser Untersuchung wird die Funktion des Organ- und Nervensystems geprüft und auf Fehlbildungen

geachtet. Weitere Schwerpunkte sind die Nahrungsaufnahme, Ernährungs- und Stillberatung sowie die

Aufklärung zur Rachitis- und Karies Prophylaxe (Vitamin D und Fluorid Tabletten). Zur Vorbeugung einer

Blutung erhält das Kind Vitamin K.

 

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U3 - Vorsorgeuntersuchung

(zwischen 4. und 5. Lebenswoche)

Im Vordergrund stehen die Überprüfung des Nervensystems und der Sinnesfunktionen sowie das

regelgerechte Gedeihen. Im Rahmen der Beurteilung des Bewegungsapparats wird eine Ultraschalluntersuchung

der Hüften durchgeführt. Auf Wunsch führen wir außerdem einen Ultraschall der Blase und der Nieren durch,

um angeborene behandlungsbedürftige Fehlbildungen des Harntraktes weitmöglich auszuschließen. Es erfolgt

eine Beratung zur Vitamin D- und Fluorid-Prophylaxe, zur Vorbeugung des plötzlichen Kindstodes (SIDS) sowie

zu Impfungen, die bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung anstehen. Zur Vorbeugung einer Blutung erhält das

Kind Vitamin K.

 

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U4 - Vorsorgeuntersuchung

(zwischen 3. und 4. Lebensmonat)

Hier wird besonders auf die regelgerechte Entwicklung der Sinnesorgane, die Kontaktaufnahme zu Bezugspersonen,

die Stimmbildung sowie das Gedeihen geachtet. Es erfolgen die ersten empfohlenen Impfungen gegen Diphtherie,

Tetanus, Keuchhusten, Hämophilus influenzae Typ B, Kinderlähmung, Hepatitis B (6-fach-Impfung) sowie

Pneumokokken. Auf Wunsch kann außerdem eine Schluckimpfung gegen Rotaviren erfolgen. Der zweite Impftermin

für die 6-fach- und Pneumokokkenimpfung (und auf Wunsch Rotavirus) findet 1 Monat nach der U4 statt. Es erfolgt

eine Beratung zur Beikosteinführung, die ab Ende des 4. Lebensmonates beginnen kann. Es wird nachgefragt, ob

die Vorsorge gegen Rachitis und Karies (Vitamin D- und Fluoridtabletten) durchgeführt wird.

 

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U5 - Vorsorgeuntersuchung

(zwischen 6. und 7.Lebensmonat)

Im Vordergrund steht die Beurteilung der motorischen Entwicklung, Hör- und Sehfunktion und der Sprachentwicklung

sowie der sozialen Interaktion mit Bezugspersonen. Es wird die dritte 6fach- und Pneumokokkenimpfung durchgeführt.

Spätestens nach Ende des 6. Lebensmonates sollte mit der Beikost begonnen werden. Es wird nachgefragt, ob die

Vorsorge gegen Rachitis und Karies (Vitamin D- und Fluoridtabletten) durchgeführt wird.

 

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erkblatt zum Kindergesundheitsschutz

U6 - Vorsorgeuntersuchung

(zwischen 10. und 12. Lebensmonat)

Ziel der Untersuchung ist es, den Entwicklungsstand zu ermitteln. Es werden Sinnesfunktionen, Sprache, Motorik

und Verhalten überprüft. Die Regelimpfungen werden fortgesetzt, meist beginnend mit der ersten Kombinationsimpfung

Masern-Mumps-Röteln-Windpocken. Der nächste Impftermin folgt 1 Monat nach der U6 (Meningokokkenimpfung).

Einen Monat später können die vierte 6fach- und Pneumokokken-Impfung sowie einen weiteren Monat später

(spätestens jedoch zur U7) die zweite Masern-Mumps-Röteln-Windpocken-Impfung erfolgen. Es wird nachgefragt,

ob die Vorsorge gegen Rachitis und Karies (Vitamin D- und Fluoridtabletten) durchgeführt wird.

 

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U7 - Vorsorgeuntersuchung

(zwischen 21. und 24. Lebensmonat)

Im Mittelpunkt steht die Beurteilung der Sprach und Sinnesentwicklung, der motorischen Fähigkeiten sowie der

Entwicklung des Sozialverhaltens. Zur Einschätzung des Sprach- und Hörvermögens werden auch die Eltern befragt.

Oft ist diese Untersuchung schwierig durchzuführen, da die Kinder zu diesem Zeitpunkt meist sehr ängstlich sind

und die erste ‚Trotzphase’ durchlaufen. Sofern nötig, werden die Regelimpfungen vervollständigt. Es wird nachgefragt,

ob die Vorsorge gegen Rachitis und Karies (Vitamin D- und Fluoridtabletten) durchgeführt wurde und auf die

Bedeutung der Fortsetzung der Fluoridprophylaxe hingewiesen.

 

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U7a - Vorsorgeuntersuchung

(zwischen 34. und 36. Lebensmonat)

Diese Untersuchung richtet ihr besonderes Augenmerk auf die frühzeitige Entdeckung von Sehfehlern und

Sehschwächen. Auch wird darauf geachtet, wie umfangreich der Wortschatz ist und ob das Kind eigene

Körperteile benennen kann. Es wird nachgefragt, ob die Vorsorge gegen Karies (Fluoridtabletten) durchgeführt

wurde. Zu diesem Zeitpunkt sollten etwaige Impflücken geschlossen, d.h. fehlende Impfungen nachgeholt werden.

 

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U8 - Vorsorgeuntersuchung

(zwischen 46. und 48. Lebensmonat)

Im Zentrum steht die Untersuchung des Wachstums, insbesondere der Ausschluss von Krankheiten des

Bewegungsapparates. Beurteilt wird auch die geistige Entwicklung (u.a. der Konzentration und Wahrnehmung).

Verhaltensauffälligkeiten, Schlafstörungen und der Toilettengang werden vorwiegend durch die Befragung der

Eltern erfasst. Es erfolgen eine Urinuntersuchung sowie ein Hör- und Sehtest. Zu diesem Zeitpunkt sollten

etwaige Impflücken geschlossen, d.h. fehlende Impfungen nachgeholt werden.

 

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U9 - Vorsorgeuntersuchung

(zwischen 60. und 64. Lebensmonat)

Die Kinder werden hinsichtlich ihrer motorischen, geistigen, sprachlichen und sozialen Entwicklung sowie ihrer

Sinnesfunktionen überprüft. Es erfolgen eine Urinuntersuchung sowie ein Hör- und Sehtest. Zu diesem Zeitpunkt

sollten nicht nur die Auffrischimpfungen durchgeführt werden, sondern auch etwaige Impflücken, d.h. fehlende

Impfungen, nachgeholt werden.

 

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U10 - Vorsorgeuntersuchung (7 - 8 Jahre)

Bei der U10 werden Körpergröße, Gewicht und Blutdruck gemessen, eine komplette körperliche Untersuchung, ein Seh- und Hörtest durchgeführt sowie ein Elternfragebogen ausgefüllt. Es werden der Urin untersucht und  bei bestimmten familiären Risikofaktoren eine Blutuntersuchung veranlasst. Außerdem werden Auffrischimpfungen durchgeführt bzw. fehlende Impfungen nachgeholt.

 

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U11 - Vorsorgeuntersuchung (9 - 10 Jahre)

Bei der U11 werden Körpergröße, Gewicht und Blutdruck gemessen, eine komplette körperliche Untersuchung, ein Seh- und Hörtest durchgeführt sowie ein Elternfragebogen ausgefüllt. Es werden der Urin untersucht und  bei bestimmten familiären Risikofaktoren eine Blutuntersuchung veranlasst. Außerdem werden Auffrischimpfungen durchgeführt, fehlende Impfungen nachgeholt und bei Mädchen die Gebärmutterhalskrebs - Impfung angeboten.

 

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J1 - Jugendgesundheitsuntersuchung (12 - 14 Jahre)

Bei der J1 werden Körpergröße, Gewicht und Blutdruck gemessen, eine komplette körperliche Untersuchung

sowie ein Seh- und Hörtest durchgeführt. Es werden der Urin untersucht und  bei bestimmten familiären

Risikofaktoren eine Blutuntersuchung veranlasst. Außerdem werden Auffrischimpfungen durchgeführt,

fehlende Impfungen nachgeholt und bei Mädchen die Gebärmutterhalskrebs - Impfung angeboten. Bei der J1 kann der Jugendliche auch über Themen sprechen wie Sexualität und Verhütung, Drogen, eventuelle Hautprobleme, Gewichtsprobleme und Essstörungen, aber auch über mögliche Schwierigkeiten zu Hause oder im Freundeskreis.

 

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J2 - Jugendgesundheitsuntersuchung (16 - 17 Jahre)

Bei der J2 werden Körpergröße, Gewicht und Blutdruck gemessen, eine komplette körperliche Untersuchung

sowie ein Seh- und Hörtest durchgeführt. Es werden der Urin untersucht und  bei bestimmten familiären

Risikofaktoren eine Blutuntersuchung veranlasst. Außerdem werden Auffrischimpfungen durchgeführt,

fehlende Impfungen nachgeholt und bei Mädchen die Gebärmutterhalskrebs - Impfung angeboten. Bei der J2 kann der Jugendliche auch über Themen sprechen wie Sexualität und Verhütung, Drogen, eventuelle Hautprobleme, Gewichtsprobleme und Essstörungen, aber auch über mögliche Schwierigkeiten zu Hause oder im Freundeskreis.

 

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Die neuen Vorsorgeuntersuchungen

 

Die Kindervorsorgeuntersuchungen (U1-U9, Jugenduntersuchung J1) wurden erweitert. Bei den meisten Kassen hat Ihr Kind Anspruch auf U10 und U11, bei manchen Kassen auch J2.

  

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Vitamin-D- und Fluorid-Prophylaxe

 

Calcium, Phosphat, Fluorid und andere Mineralstoffe sind wichtige Bausteine von Knochen und Zähnen.

Vitamin D sorgt für die Aufnahme von Calcium im Darm und für den Einbau des Calcium in die Knochen.

Der Körper kann Vitamin D selbst bilden, wenn genug Sonnenlicht auf die Haut einwirkt. Bei Säuglingen

genügt das unter unseren Klimabedingungen meist nicht. Durch Blutuntersuchungen wurde belegt, dass

viele Kinder besonders gegen Ende des Winters ungenügend mit Vitamin D versorgt sind. Ein Mangel an

Vitamin D führt zu Rachitis (Knochenerweichung).

 

Fluorid stärkt den Zahnschmelz und verringert das Kariesrisiko erheblich. Der Fluoridbedarf ist altersabhängig.

Die Fluoridzufuhr setzt sich aus Fluorid im Trinkwasser, im Speisesalz und aus Fluoridtabletten zusammen.

In Deutschland ist, von wenigen Gebieten abgesehen, der Fluoridgehalt im Trinkwasser für eine optimale

Zahngesundheit zu gering. Laut Auskunft der Energieversorgung Limburg vom März 2008 wird gemäß der

Trinkwasserverordnung vom 21.05.2001 das Trinkwasser nicht mehr auf Fluoridanteile untersucht. Der

damalige Wert betrug 2001 0,16 mg/l (ppm). Damit ist im Raum Limburg der Fluoridgehalt des Trinkwassers

gering. Liegen die Werte bei 0,3 ppm oder darunter, so gilt die Standarddosierung für Fluorid-Tabletten. Wird

im Haushalt fluoridiertes Salz verwendet, kann diese Zufuhr bis zum 4. Lebensjahr vernachlässigt werden, da

der Salzverzehr und der Fluoridgehalt des Salzes vergleichsweise gering sind. Wenn im Haushalt wenig Salz

verzehrt wird, z.B. <1g/Person/Tag, sind zusätzlich Fluoridtabletten vertretbar.

 

Es wird empfohlen, Säuglingen täglich bis zum 2. Lebensjahr bzw. bis zum Ende des zweiten Winters täglich

0,25 mg Fluorid in Kombination mit 400-500 Einheiten Vitamin D zuzuführen. Beides ist in Tablettenform als

Kombination erhältlich. Die Tabletten werden dem Kind in die Wangentasche gelegt und beim Trinken verschluckt.

Nach dem zweiten Lebensjahr bzw. nach dem zweiten Winter sollten die Kinder Fluoridtabletten ohne Vitamin D

erhalten, mindestens bis zum 4. Lebensjahr.

Das Konsensuspapier „Empfehlung zur Prävention der Milchzahnkaries“ von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V. belegt diese Vorgehensweise der Fluoridprophylaxe mit fundierten Studien.

 

Neben der Fluoridprophylaxe sollte mit dem ersten Zähnchen das Putzen begonnen werden. Dazu eignen sich

ein mit Wasser angefeuchtetes Wattestäbchen oder eine Säuglingszahnbürste. Zahnpasta wird in den ersten

Lebensjahren verschluckt. Kinder- und Jugendärzte und deren Fachgesellschaft raten daher von ihrer Verwendung

in den ersten Lebensjahren ab. Zahnpasta ist ein kosmetisches Mittel und nicht für den regelmäßigen Verzehr geeignet. Sobald die Kinder die Zahnpasta ausspucken können (meist erst nach dem 4. Lebensjahr), sollten die Zähne zweimal täglich mit einer Zahnpasta gepflegt werden, die mindestens 1000 ppm Fluorid enthält.

 

Ein längeres Überschreiten der Obergrenzen der Fluoridzufuhr kann Zahnschmelzdefekte verursachen. Diese

Obergrenze liegt laut o.g. Konsensuspapier bei 0,1 mg Fluorid pro kg Körpergewicht des Kindes. Da die

Fluoridtabletten bis zum 2. Geburtstag nur 0,25 mg pro Tablette enthalten, wird ab einem Körpergewicht

von 2,5 kg mit 1 Tabl. täglich diese Obergrenze nicht überschritten.

 

Bezüglich der Vitamin-D- und Fluoridprophylaxe gibt es leider Meinungsverschiedenheiten zwischen den

Kinderärzten, Zahnärzten, Hebammen und anderen Fachgruppen, was die Eltern verständlicherweise

verunsichert. Zusammengefasst lautet die kinderärztliche Empfehlung: bis zum Alter von 2 Jahren bzw.

bis nach dem 2. Winter: Vitamin-D- und Fluorid-Tabletten sowie Zähneputzen ohne Zahnpasta. Nach dem

 2. Lebensjahr Fluoridtabletten ohne Vitamin D. Erst wenn Zahnpasta sicher ausgespuckt werden kann:

Fluoridprophylaxe durch Zahnpasta mit 1000 ppm Fluorid.

 

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